Kit-Objektiv oder Festbrennweite?

23. Januar 2010, 14:14 Uhr

Welches Objektiv soll ich als erstes kaufen?

Dieser Frage geht Martin in seinem Blogposting „Das erste Objektiv: Eine Empfehlung Externer Link“ nach. Darin schildert er, warum seiner Meinung nach eine 50mm-Festbrennweite das ideale Einsteiger-Objektiv darstellt.

Da ich es etwas anders sehe, wollte ich eigentlich einen entsprechenden Kommentar hinterlassen. Mittlerweile haben sich aber schon über 100 Kommentare dort gesammelt, weshalb ich mich entschieden habe, meine Meinung hier im Blog niederzuschreiben, damit sie nicht ganz so untergeht… 😉

Wechsel zu einer digitalen Spiegelreflexkamera

Wenn mir jemand sagt, dass er bisher immer mit einer Kompaktkamera fotografiert hat und nun die Anschaffung einer Spiegelreflexkamera plant, dann frage ich zuerst nach dem Grund dafür. Welche Motivation steckt hinter dem geplanten Wechsel? In den meisten Fällen höre ich dann die Antwort, dass derjenige oder diejenige „schönere Bilder“ machen will. Qualitativ besser sollen die sein und das ginge ja schließlich nur mit einer digitalen Spiegelreflexkamera; die Rechnung: größere und teurere Kamera gleich tollere Bilder.

Große, teure Kamera = tolle Bilder!

Doch Vorsicht: das kann man so pauschal nicht sagen! Natürlich lassen sich mit einer D-SLR nicht nur technisch bedingt viel schönere Bilder machen, als mit einer Kompaktkamera (siehe dazu auch mein Bokeh-Vergleich) aber das setzt voraus, dass man weiß, was man tut und warum man es tut.

Wer bisher einfach nur auf den Auslöser gedrückt hat, einen Schnappschuss nach dem anderen gemacht hat und diesen Stil auch weiter beibehalten will, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Bild-Ergebnisse nicht zwangsläufig besser werden, denn eine Spiegelreflexkamera ist eigentlich nicht dazu da, ständig im Automatik-Modus zu laufen, dafür sind die Kompakten meiner Meinung nach viel besser geeignet, weil die eben genau darauf ausgelegt sind, dem Fotografen so viel Arbeit wie möglich abzunehmen.

Wer dann dennoch sagt: ist mir alles egal, ich will trotzdem eine D-SLR, auch wenn ich dann nur auf „Automatik“ fotografiere, dem kann ich keine Festbrennweite empfehlen. Derjenige soll einfach die Kamera mit dem Kit-Objektiv kaufen und gut ist…

Spaß am Fotografieren und Ausprobieren

Sagt mir hingegen jemand, dass er sich eine Spiegelreflex anschaffen möchte, weil er gerne ein bisschen mehr selbst einstellen und ausprobieren möchte, sieht die Sachlage schon anders aus. Hier würde ich auch zu einer Festbrennweite tendieren, denn um zu lernen, was die Kamera macht, wenn man bestimmte Werte verstellt, ist diese am besten geeignet. Festbrennweiten sind lichtstärker, erlauben also dank der großen Blende ein noch feineres Spiel mit der Schärfentiefe. Das mag zwar, wie in einigen Kommentaren von Martins Posting angemerkt, anfangs zu vielen Fotos führen, wo der Fokus nicht hundertprozentig da sitzt, wo man ihn gerne hätte, aber der Einsteiger möchte sich ja mit der Kamera beschäftigen und ausprobieren und da gehört auch immer einmal ein bisschen Ausschuss dazu. Außerdem muss man sich bei einer Festbrennweite auch damit auseinander setzen, wo man stehen muss, damit der Bildausschnitt auch so wird, wie man ihn gerne hätte; der Lerneffekt ist also viel größer als wenn ich vieles mit dem Zoom ausgleichen kann.

Welche Festbrennweite?

Für jemanden, der sich also intensiv mit seiner neuen Kamera beschäftigen möchte, ist eine Festbrennweite meiner Meinung nach genau richtig, da stimme ich Martin zu. Die Frage, die sich mir allerdings stellt, ist, ob eine 50mm Brennweite, wie von ihm empfohlen, die optimale Linse für einen Einsteiger ist. Denn der wird sich kaum eine 1Ds oder 5D kaufen, sondern eine Kamera mit einem kleineren Sensor und da ist 50mm schon zu viel, weil es eben nicht wie eine 50mm Standardbrennweite wirkt, sondern wie ein 80mm-Teleobjektiv. Welche Art von Bilder bei einer solchen Kombination herauskommen (Canon 350D und 50mm/1.4) kann man in dieser Galerie sehen; fast ausschließlich Portraits.

Gruppenbilder lassen sich nur mit erheblichen Abstand zum Motiv machen; Outdoor dürfte das in der Regel kein Problem sein, aber Indoor schon. Wenn man nicht gerade in einem riesengroßen Raum ist, dann sind dem sog. „Turnschuh-Zoom“ einfach Grenzen gesetzt, denn irgendwann ist hinter einem nun einmal eine Wand. 😉

Deshalb würde ich eher zu einer 35mm Festbrennweite tendieren. Canon hat hier das EF 35mm/2.0 im Programm, welches aber teurer als das 50mm-Objektiv ist. Zwar etwas lichtstärker, dafür noch einmal eine ganze Ecke teurer ist das Canon EF 28mm/1.8 USM. Die Alternative dazu wäre die lichtschwächere Version mit 2.8er Blende.

Meine Empfehlung

Hier die drei Objektive, die meiner Meinung nach für eine Canon-Kamera mit kleinem Sensor (1000D, 450D, 500D, etc.) besser geeignet sind als das 50mm/1.8 II*:

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