Windschattenfahren (Drafting) beim Ironman

28. April 2010, 22:56 Uhr

Sportfotografie mit einer Kompaktkamera?

Vor einiger Zeit habe ich ja anhand eines kleinen Versuchs mal gezeigt, dass man mit einer Kompaktkamera kein schönes Bokeh bekommen kann, weil eben die Kamera die dafür nötigen Voraussetzungen nicht mitbringt. Geschrieben hatte ich den Beitrag damals, weil ich den Besucherstatistiken gesehen habe, dass jemand diese Info gesucht hat.

Nun habe ich dort eine weitere Frage gefunden:

Kann man mit einer Kompaktkamera schöne Sportfotos machen?

Was mit „schönen“ Fotos gemeint ist, das kann ich nur erahnen, ich gehe mal davon aus, dass dabei die Agenturbilder gemeint sind, die man von den großen Veranstaltungen in den Zeitungen und Online-Magazinen zu sehen bekommt; also Fotos von Spielen aus der Fußball-Bundesliga, von den Rennen der Formel 1, von den Olympischen Spielen, etc.

Wenn damit solche Fotos gemeint sind, könnte man die Frage ganz einfach mit einer Gegenfrage beantworten: Warum haben die Sportfotografen bei den o.g. Veranstaltungen eine Ausrüstung im Wert eines Mittelklassewagens bei sich, wenn man die Fotos auch mit einer wenigen hundert Euro teuren Kompaktkamera erzeugen könnte?

 

Sportfotografie + Kompaktkamera – das passt nicht!

Spätestens jetzt sollte dem Fragenden klar werden, dass Sportfotografie und Kompaktkamera irgendwie nicht zusammen gehen. Im folgenden möchte ich ein paar Punkte aufzählen, warum das so ist.

  • Entfernung zum Geschehen

    Da man sich als Fotograf bei Sportwettkämpfen selten mitten im Geschehen befindet, sondern außerhalb des Spielfeldes, hat man meist einen sehr großen Abstand zu den Motiven, die man gerne fotografieren würde. Man muss also sie also möglichst dicht heranholen können.

    Bei einer Kompaktkamera erreicht man das, in dem man heranzoomt, bei einer Spiegelreflexkamera mit einem Tele-Objektiv, also einem mit großer Brennweite. Alleine hier ist der Unterschied schon sehr gravierend, nimmt man meine IXUS 960 als Beispiel bewegt sich der Spielraum des 3,7-fach optischen Zooms auf das Kleinbildformat umgerechnet zwischen 36mm und 133mm Brennweite, während ein 300mm-Objektiv an einer kleinen Spiegelreflex-Kamera, wie der 350D schon rechnerisch 480mm Brennweite schafft. Mit der einen Kamera kann man beispielsweise bei einem Fußballspiel wunderbar eine einzelne Spielszene, z.B. einen Zweikampf fotografieren, bei der anderen Kamera hätte man dabei gleich die ganze Hälfte eines Fußballplatzes auf dem Foto. Die Szene, die man gerne fotografiert hätte, ist klitzeklein.

  • Schnelle Bewegungen

    Sport ist schnell und wenn man die schnellen Bewegungen einfrieren möchte, dann benötigt man ganz kurze Verschlusszeiten. Das heißt, das Bild wird nur in einem Bruchteil einer Sekunde aufgenommen, z.B. in einer tausendstel oder zweitausendstel Sekunde, sonst wäre der Ball bei einem Schuss beim Fußball nicht scharf, sondern wegen der Bewegung unscharf. Damit in dieser extrem kurzen Zeit auch genug Licht auf den Sensor gelangt, das Bild also richtig ausbelichtet wird, braucht man entweder ein lichtstarkes Objektiv oder einen Foto der einen sehr empfindlichen Sensor hat und dabei trotzdem noch gute Bildqualität liefert; am besten aber beides.

    Auch bei diesen beiden Punkten verliert eine Kompaktkamera ganz klar: je lichtempfindlicher man den Sensor einstellt, desto schlechter wird die Bildqualität, das sogenannte Rauschen nimmt zu; auch muss man in Punkto Lichtstärke das nehmen, was eben als Linse in die Kamera eingebaut wurde und in der Regel sind die nicht sehr lichtstark, zumindest nicht mehr, wenn man den optischen Zoom voll ausgereizt hat. Bei der Spiegelreflexkamera sieht das anders aus: hier gibt es Kameras, die auch mit sehr lichtempfindlich eingestelltem Sensor noch hervorragende Bildqualität liefern, wie z.B. die 5D Mark II oder die 1D Mark IV und natürlich kann man auch sehr lichtstarke Objektive hinzukaufen.

  • Wechselnde Entfernungen

    Beim Sport ist, wie bereits geschrieben, viel Bewegung im Spiel. Da ändert sich auch mal schnell die Entfernung zum Motiv, z.B. wenn der Spieler auf den Fotografen zuläuft und dadurch aus dem Fokus herausläuft. Man braucht also eine Kamera, die also innerhalb kürzester Zeit das Motiv fokussiert und dann auch sofort auslöst, so dass sich das Motiv, wenn das Foto belichtet wird, auch noch im scharfen Bereich befindet. Hat man die nicht, weil der Autofokus zu langsam ist oder die Kamera zu langsam auslöst bekommt man eine Vielzahl unscharfer Bilder.

    Auch hier muss sich die Kompaktkamera den Spiegelreflexkamera geschlagen geben. Die fokussieren viel schneller und lösen auch viel schneller aus. Aber Vorsicht: auch hochpreisige D-SLR heißt nicht sofort, schneller Autofokus. Meine 5D Mark II ist -was die Schnelligkeit und Genauigkeit des Autofokus angeht- nicht die beste Wahl, da liefern die 7D und die 1D deutlich bessere Ergebnisse und sind deshalb auch besser für Sportfotografie geeignet.

Zusammenfassung

Ich könnte jetzt noch weitere Punkte aufzählen, z.B. wie viele Bilder man pro Sekunde mit einer Kamera machen kann, aber die drei oben genannten Punkte halte ich persönlich für die kriegsentscheidenden.

Ich fasse also noch einmal zusammen, was man für gute Sportfotos benötigt:

  • Große Brennweite
  • Kurze Belichtungszeiten
  • Schneller und treffsicherer Autofokus

Und diese drei Dinge bekommt man eben nicht mit einer Kompakten. Da braucht man lichtstarke Objektive und eine Kamera mit gutem Rauschverhalten und schnellem Autofokus und das kostet eine Stange Geld. Wenn die Agenturfotografen am Spielfeldrand eines Fußballspiels sitzen und dabei eine Canon EOS 1D Mark 4 mit einem 400m/2.8er Objektiv in der Hand haben, dann sind das gemäß der Herstellerempfehlung gut 12.800 EUR, die da für das Equipment anfallen und meist sind die nicht nur mit einer Kamera dort, sondern mit zweien.

Natürlich braucht man nicht das allerteuerste Equipment, um ansehnliche Sportfotos machen zu können. Was da als „günstigere“ Variante in Frage kommt, werde ich dann nochmal in einem extra Posting schreiben. Ein bisschen mehr Geld, als für eine Kompakte, muss man aber schon ausgeben. 😉

Hier sind übrigens ein paar Sportfotos von mir: Bilder von Triathlon-Veranstaltungen, wie der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii oder dem Saisonauftakt-Klassiker, dem Triathlon in Buschhütten, aber auch Duathlon ist dabei, wie bspw. die Deutschen Meisterschaften in Oberursel. Alle natürlich mit einer Spiegelreflexkamera aufgenommen, aber ich überlege gerade, ob ich demnächst mal mit meiner Kompakten losziehe und mal schaue, ob man da nicht vielleicht doch den ein oder anderen guten Zufallstreffer schießen könnte.

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